Wenn Industrie oder ein ursprünglicher Nutzungssinn von Orten verschwindet, entsteht Raum für Neues. Neues, das alten Hallen oder Werken und ganzen Arealen durch Kreativität Charm verleiht. Orte des Drecks werden zu Anziehungspunkten. Räume der Vergangenheit zu lebendigen Oasen. Wenn das Neue wieder verschwinden soll, entsteht Verwirrung und es stellen sich Fragen wie: Ist es gut, das Underground einem Schulgebäude weichen zu lassen? Ist es sinnvoll, bestehende Büronutzungen im alten 4711-Komplex in Wohnraum zu verwandeln? Ist es gerechtfertigt, ganze Orte tot zu reden, ohne sich vor Ort eine echte Meinung zu bilden? Ist es richtig, etablierten Kneipen, Veranstaltungsorten und weiteren Läden immer wieder Steine in den Weg zu legen?

Wandel hat die bemerkenswerte Eigenschaft, dass er nicht aufhaltbar ist. Das ist gut. Sonst würden unzählige Orte der Kölner Vergangenheit brach vor sich hinvegetieren. Es ist ein Prozess. Mit neuen Nutzungen kommen neue Nutzer. Und somit sind manche Wandlungen eine einfache logische Folge. Für das Leben in der Stadt bleibt dennoch eine Frage von immenser Bedeutung: Wollen wir das? Müssen wir tatenlos zuschauen, wenn ein für uns attraktiver Ort der Ansicht neuer Anwohner weichen muss – und sei es nur der Kiosk von nebenan? Müssen wir es hinnehmen, dass denen, die sich einbringen wollen und wissen, welche Bedürfnisse vor Ort existieren, Raum eher genommen anstatt gegeben wird?

Köln ist eine große Stadt. Ein riesiger urbaner Raum, der, wie alle solche Orte, mit einem großen Wandel abgeschlossen hat. Aus industrialisierten Molochen sind blühende Kreativitätsinseln entstanden – zwar nicht überall, doch zumindest an vielen Orten. Nun gilt es, weitere Ort zu finden, aber eben auch zu zeigen, dass der Sinn vieler bestehender Räume nicht überholt ist. Also haltet eure Augen offen und bringt euch ein!

null22eins #18 greift dieses Thema etwas stärker auf, zeigt euch einige dieser Orte und stellt ein paar davon in einen Zusammenhang. Gegen Wandel an sich haben wir nichts. Wir sind ja schließlich nicht von gestern, wie manch eine Strömung in der Politik. Genau wie dort, müssen nur viel mehr Menschen erkennen, was es manchmal zu verteidigen gilt. Denn einmal weg, ist bereits verloren. Einmal aufstehen und darauf aufmerksam machen, ist definitiv ein Gewinn.

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